Die Hochzeit!
Der SÜDKURIER berichtet: Sie haben es getan: Schlegele-Beck und Geiz heiraten. Text: Anja Arning/Foto: Peter Schmenger
Aus einer Schnapsidee wurde Ernst: Der Schlegele-Beck und der Geiz haben geheiratet – und zwar die gleiche Frau. Die fasnächtliche Inszenierung geriet zum anarchischen Spektakel.
Diese Ehe hält nur noch einen Tag: Pfarrer Schön (Petra Behrendt) traut Schlegele-Beck, die Schrapnell (Jutta Graf) und Geiz. Brautführer Frank Schreiner (v.l.) überwacht die Zeremonie. Schon zur Trauung trägt die Schrapnell den Brezele-BH, ein Brautgeschenk vom Schlegele-Beck.
Gedränge im Gasthaus Ruppaner. An einem langen Tisch sitzt eine Frau mit Schleier, neben ihr ein Mann mit Zylinder. Hinter ihnen ein Transparent „Heiraten ist doof“ und Plakate „Kein Sodom und Gomorrha in Radolfzell“. Keiner weiß so wirklich, was an diesem Montagnachmittag passieren wird, aber alle wollen es sehen. Denn der Bräutigam ist stadtbekannt: der Schlegele-Beck will heiraten, der Geiz auch und es soll dieselbe Frau sein.
Die Braut muss jedoch auf ihre beiden Männer warten: die Herren verspäten sich, was im Publikum zu wilden Spekulationen führt. Es wird doch wohl nicht bloß ein Scherz gewesen sein, die Nachricht von der Hochzeit? Schließlich tauchen sie auf, begleitet von der Froschenkapelle, der Geiz sogar mit Herzchen-Brille. Was nun folgt, ist ein anarchisches Spektakel, spontan und voller Witz – genau, wie Fastnacht sein muss.
Der Brautführer verliest ein Dokument, in dem dargestellt ist, warum die Schrapnell diesen „mutigen Schritt“ wagt. Liebesbriefe habe sie bekommen vom Schlegele, er sei „heiß auf die Hochzeitsnacht“. Aber da sie nicht weiß, was sich unter den Masken für hässliche Kerle verstecken, verlangt sie, dass die Masken im Ehebett aufbleiben. Das ist schließlich die Idee hinter der Hochzeit: „Radolfzell braucht Narrensamen von besonderer Qualität“.
Das sieht der Narrenfresser anders: Er plädiert für „freie Liebe für freie Narren“, während Asmodeus durch die Reihen läuft und kleine Zettel mit „Heiraten ist doof“ verteilt. Weitaus bessere Argumente haben jedoch die Erbtanten der Braut aus reichem Hause von Aldi bis Benz: Sie zeigen der Hochzeitsgesellschaft die stattliche Mitgift, die an die beiden Herren geht, sollte die Ehe geschlossen und vor allem vollzogen werden.
Es ist ein kleines, aber feines Schauspiel, das die Akteure zeigen. Und vor allem ist es laut, wild und spontan. Das beinhaltet aber auch, dass das Publikum nur die Hälfte mitbekommt. Wie zum Beispiel den Brezele-BH, den der Schlegele-Beck seiner Braut noch vor der Eheschließung schenkt. Und weil bei der Abstimmung auf der Internetseite 27 Frauen behauptet haben, er solle lieber sie heiraten, muss er sich erst einmal mit dem Geiz zur Beratung zurückziehen. Schlussendlich stehen sie aber tatsächlich vor dem Pfarrer, die Braut und ihre zwei gar nicht galanten Galane. Ob ihr zwei Männer nicht zu viel seien, fragt Pfarrer Schön. Kein Problem, sie hätten ja nur eine Nacht Zeit, dann müssten die Herren sowieso zurück in den Schrank. Also: heiraten oder nicht? „Ist die vereinbarte Summe schon überwiesen?“ will der Schlegele-Beck noch wissen, bevor er Ja sagt. Auch der Geiz will. Und die Schrapnell wird sogar auch gefragt. „Wenn's um den Narrensamen geht, überwinde ich mich halt“, ist die wenig liebestolle Antwort. Der Applaus ist groß, trotz der anwesenden Protestierer, darunter besonders lautstark Sigi Kromer.
Was das nun war? Ein Beispiel dafür, wie man die traditionelle Fastnacht mit ein bisschen Witz und Einsatz bereichern kann. Wie eine einzige Schnapsidee, ganz ohne großes Konzept, einen kurzweiligen Nachmittag ergibt. Sie wusste selber nicht, ob die beiden ja sagen, erzählt die Braut Jutta Graf nach der Hochzeit. Aber für alle Fälle hätte sie einen Plan B gehabt. Und sogar noch einen Plan C.

RÜCKBLICK 2011
